Der Himmel war in ein leichtes pink getaucht, was zu lila überzugehen schien. Ich drehte mich weg, sah Jeremiah an. Ich lächelte. Sein Blick folgte den vorbei rasenden Bildern aus dem Fenster. Der Bus hielt an, die Ampel stand auf rot. Nach einer Weile hatte ich das Gefühl, er würde schon wieder fahren, aber er stand immernoch. Ich drehte mich um und sah den Busfahrer an. Die Ampel war immernoch rot. Ich sah in den Himmel, er war inzwischen zu dunkelblau übergegangen, aber immernoch war er leicht rötlich. Es sah aus, als würde er verbluten. Langsam aber sicher sterben. Der Himmel war frei von jeglichen Wolken und es war ziemlich warm im Bus. Ich stand auf und öffnete ein Fenster, als ich mich wieder hinsetzen wollte, fuhr der Bus los. Ich spürte Jeremiahs Blick auf mir. Er lächelte. Ich lächelte auch und nahm seine Hand. "Wir können noch immer zurück.", sagte er und pustete sich eine Strähne aus dem Gesicht. Ich schüttelte den Kopf.
"Ich möchte nicht.", dann setzte ich mich neben ihn und legte meinen Kopf auf seine Schulter. Jeremiah wühlte in meiner Tasche, suchte und fand meinen iPod. Er stöpselte mir einen Kofhörer in mein Ohr und den anderen in sein Ohr. Dann ließ er Another Day von Paramore laufen. Ich grinste ihn an. Und Hayley sang: "And if you're listening I miss you.", und ich sagte: "Nein, ich denke nicht." und sie sang: "And if you hear me now I need you.", und ich sagte: "Wer würde mich schon brauchen.", und sie sang: "Where did you go, 'cause you're not gone, everyone knows there's something wrong.", und ich sagte: "Ich habe einen Zettel hinterlassen, also sollen die sich mal keine Sorgen machen. Irgendwann komm' ich ja wieder.", und Jeremiah lachte und küsste meinen Kopf sanft. Der Bus war ansonsten vollkommen leer, bis auf eine alte Frau mit einem kleinen Jungen. Ich schätze, er war 11. Es wollten anscheinend nicht so viele während der Schulzeit nach California. Ich biss mir auf die Lippe und sah Jeremiah an. "Was wenn wir da sind?", fragte ich und hob meinen Kopf von seiner Schulter. Er ließ seinen Kopf nach hinten fallen und sah mich fragend an. "Ich weiß es nicht. Irgendwann müssen wir tatsächlich zurück.". Ich atmete tief ein und langsam wieder aus. Dann nickte ich. "Nur bis wir nicht mehr wollen. Wir müssen es nicht übertreiben. Ab gesehen davon, haben wir nicht viel Geld dabei.. Das müsste für vielleicht zwei Nächte in einem Hotel und bisschen Essen reichen.", ich spielte mit dem iPod und sah Jeremiah an. Er sah verzweifelt aus. "Du isst doch eh nichts.." Mein Herz blieb stehen, wurde zu Eis und zerbrach in millionen kleine Stückchen. Schmolz, und war ganz weg. Mir blieb die Luft weg, ich errötete, wechselte das Lied auf dem iPod bis er von neu anfing zu spielen. Ich wich seinem Blick aus. Er nahm meine Hand. Ich sah ihn an. Ich biss mir auf die Lippe. Ich sagte: "Doch, ich esse.", er sagte: "Schon okay.", ich sagte: "Ich esse wirklich.", er sagte: "Ich habe dich noch nie essen gesehen.", ich sagte: "Weil ich es nicht mag, wenn jemand mir dabei zusieht.", er lachte kurz laut. Dann sah er mich nur noch an. Seine Augen leuchteten. Wieso lacht er? Ich runzelte die Stirn. "Was?", fragte ich verzweifelt. "Was?", fragte ich erneut, weil ich das Gefühl hatte, das erste Was? gar nicht ausgesprochen zu haben. Er schüttelte den Kopf und nahm mir den iPod weg. Dann ließ er White Blank Page von Mumford & Sons laufen. Er ignorierte mich. Ich piekste ihn leicht in den Arm. Er lächelte mich an und drückte mir sanft einen Kuss auf die Lippen. Ich sah aus dem Fenster. Der Himmel war pechschwarz und winzige Sterne erleuchteten ihn. Jeremiah legte einen Arm um mich, drückte mich kurz fest, hielt mich dann nur im Arm und beobachtete mich. Wir lächelten uns an und dann wurde mir bewusst, was wir eigentlich gerade taten. Wir saßen in einem Bus nach California, weil ich genervt von allem und jedem war. Jeremiah hatte vorgeschlagen, weg zu gehen. Plötzlich landeten wir im Bus Bahnhof. In wenigen Stunden waren wir da und hatten eine Auszeit von allem und jedem. Nur ich und Jeremiah. Ich hob den Kopf und sah ihn an. Er lächelte leicht. Ich lächelte zurück und kuschelte mich bei ihm ein.
"For attractive lips, speak words of kindness.
For lovely eyes, seek out the good in people.
For a slim figure, share your food with the hungry.
And for poise, walk with the knowledge that
you never walk alone."
- Audrey Hepburn

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