Samstag, 22. Oktober 2011

and in the long light, I play it all fine

Die Sonne ging unter und Jeremiahs Haare waren in rotes Licht getaucht. Stille zwischen uns. Er biss sich auf die Unterlippe und sah mich an. Seine Haare waren verwuschelt und ich lächelte leicht. "Was?", er grinste. Ich schüttelte den Kopf und ließ die Haare ins Gesicht fallen. Er warf den Kopf nach hinten. Irgendetwas wollte er sagen, aber anscheinend wusste er nicht wie. "Irgendwas ist anders.", flüsterte er schließlich. Ich sah erschrocken auf. Das waren genau die Worte, die mir seit Tagen durch den Kopf schwirrten. Er hatte sie als erstes ausgesprochen. Ich war Sprachlos. "Ja", murmelte ich. Ich sah ihm in die Augen. Er fing meinen Blick und war ausdruckslos. "Ja?"
Ich nickte und nahm die leere Flasche Rotwein in die Hand. Komisch, dass wir noch nicht betrunken waren. Ich öffnete den Mund: "Dein Beziehungsstatus", dann lächelte ich. Er schluckte und sah auf den Boden. Dann ballte er seine Hände zu Fäusten. Er drehte den Kopf zur Seite. Ich biss mir auf die Unterlippe und schob den Mund zur Seite. Ich wartete, bis er etwas sagte, aber er schwieg. Nach einer Weile rutschte ich neben ihn. Ich stupste ihn an und lag mich neben ihn. Er legte sich auch hin. Unsere Gesichter waren nicht weit von einander entfernt. "Es tut mir Leid", flüsterte er. "Es ist okay.", flüsterte ich. "Nein, ist es nicht.", flüsterte er. Und ich beendete das flüstern mit einem lauten "Doch.", dann lächelte ich. "Es ist okay. Ich möchte dich glücklich sehen, egal ob ich es bin, die dich glücklich macht, oder sie. " Ich seufzte, sah ihn an, sah in den Himmel, der inzwischen verdunkelt war, nahm die linke Hand, fuhr mir durch die Haare und dann über das Gesicht. "Ich bin ein Idiot.", sagte er wie zu sich selbst. Stille. Ja, bist du. Nicht schlimm. Stille und wir sahen die Sterne an. Ich sah die Sterne an. Dachte darüber nach, ob er mich vielleicht nicht doch noch liebte. Ich versuchte Mut zu sammeln, um ehrlich auf egal was er gleich sagen würde zu antworten. "Erzähl etwas.", er sah mich erwartungsvoll an. Ich überlegte. "Erzähl du etwas.", mit Hoffnung darauf etwas über seine Freundin zu erfahren. "Was denn?" Ich setzte mich aufrecht hin.  Ich habe doch eben Mut gesammelt, oder? Wohin ist dieser Mut? Er setzte sich auch hin. Ich kratzte meinen Nagellack ab. "Bist du mit dem richtigen Mädchen zusammen?", fragte ich ohne ihn anzusehen. Er sagte nichts. Er seufzte. Ich sah ihn an. Tränen stiegen in seine Augen. Ich hatte ihn noch nicht oft weinen gesehen. Er öffnete den Mund, sagte aber nichts. Ich wartete. Wenige Sekunden später fing er an zu sprechen und eine Träne lief seine Wange herunter. Wie gern ich sie trocknen würde. Ich fing auch an zu weinen. Langsam. Leise. "Ich liebe dich. Ich werde wahrscheinlich niemals damit aufhören. Aber es ist Selbstmord mit dir zusammen zu sein..", er stockte. Lautlos weinten wir. Ich zog die Beine an mein Kinn und vergrub den Kopf in ihnen. "..Ich werde so selbstlos wenn ich mit dir zusammen bin. Dann bin ich der netteste Mensch der Welt.." - "Was ist so falsch daran?", ich flüsterte leise, langsam und deutlich. "Ich kann nicht. Wir können nicht. Es ist einfach so. Ich weiß nicht wieso. Okay? Es würde nicht lange halten. Du weißt selber, dass du keine Beziehung eingehen kannst. Du kannst nicht lange gebunden sein. Ich will das, was wir haben, nicht auf's Spiel setzen. Es ist zu viel. Zu wertvoll. Es ist unser eigenes kleines Spiel.", ich hörte auf zu weinen. Er hatte ja Recht. "Wir spielen ja gar nicht mehr. Du redest kaum noch mit mir. Was ein Weltwunder, dass wir uns heute getroffen haben. Du bindest dich komplett an deine neue Freundin. Als hättest du Angst vor mir oder so..", ich stand auf und redete lauter als ich wollte. Er stand auch auf. Dann lief er auf mich zu und nahm meine Hände. Er sah mir in die Augen. "Natürlich habe ich Angst vor dir. Du machst mich verrückt. Ich habe Angst, die Kontrolle zu verlieren. Du weckst zuviele Gefühle in mir."

"Wenn doch mein Schatten aufstehen 
und neben mir her gehen würde." 
Über mir der Himmel - Jandy Nelson


1 Kommentar: